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Willkommen beim Stadtarchiv Augsburg 23.01.2018 - Druckversion

Hoechstetter (Hechstetter, Höchstetter), Kaufmannsfamilie

Neueren Forschungen zufolge Nachkommen der Ritter von Höchstädt/Do. (staufische Ministeriale). Seit Ende des 13. Jh.s als Bürger von Dillingen, Donauwörth und A. nachweisbar. 1518 Reichsadel („H. von Burgwalden“). Grablege in St. Magdalena (H.-Kapelle, später Rosenkranzkapelle). 1346 erwarb der Donauwörther Patrizier und Hofschenk Ks. Karls IV., Ulrich (III, * 1290 A.), ein Haus am Kitzenmarkt. Unter dem Bleicher und Kaufmann Ulrich (IV, * 1390 A., † 1453 A.) 1420 Einstieg in den Textilhandel, unter seinem Sohn Ulrich (V, * 1422 A., † 1497 A.) Aufstieg in den Groß- und Fernhandel für Textilien und Gewürze mit eigenem Gewölbe im „Fondaco dei Tedeschi“ in Venedig. Zunftmeister der Gewandschneider, Mitglied des Kleinen Rats, 1476-1495 12mal Baumeister. Heiratete 1447 Barbara Peutinger; Vormund K. Peutingers. Als Gesellschafter der Gossembrot Einstieg in den Tiroler Bergbau und Metallhandel. Beteiligte noch zu Lebzeiten seine Söhne Georg (III, * 1453, † 1514), Jakob (* 1460, † 1525), Ambrosius (I), Hieronysmus (* 1465, † 1508) und Johann * 1471, † 1527) an der Führung der Handelsgeschäfte.

Ambrosius d.Ä.

 

(I, * 1463, † 30.9.1534), durch Heirat mit Anna Rehlinger (1483) Mehrer und 1503-1529 Ratsmitglied, gründete nach Ausbildung in Brügge 1486 die erste Faktorei A.er Kaufleute in Antwerpen. Er leitete damit den Aufstieg der H. zum drittgrößten A.er Handelshaus nach den Fuggern und Welsern ein und führte das Familienunternehmen durch Bunt- und Edelmetallhandel, Bergbaubeteiligungen und Geldgeschäfte an die Spitze der oberdt. Handelshäuser. Nach Lösegeldzahlungen (1488) für den in Brügge gefangengehaltenen Maximilian I. ks. Privilegien für den Kupferbergbau und die Errichtung einer Messinghütte in Pflach (Tirol); in der Folge Montanunternehmer in Schwaz, Taufers (Tirol) und Neusohl (Ungarn), Schmelzwerke in Jenbach und Messinghütte (1509) in Steinebach (Tirol). 1505/06 mit anderen A.er Kaufleuten Beteiligung an der ersten Gewürzflotte nach Ostindien. 1514 mit dem Bruder Johann Gründung einer Handelsgesellschaft; 1524 Aufnahme seiner Söhne Ambrosius (II, * 1501 A., † 26.4.1550 Burgwalden) und Joachim I, * 1505 A., † 2.12.1535 Dänemark) sowie von Hans Franz Baumgartner (Schwiegersohn) und Joseph H., dem Sohn seines Bruders Johann, als Mitgesellschafter. 1517 Kupferkartell mit den Fuggern. Die umfangreichen Geldgeschäfte mit den Habsburgern führten zur Ernennung zum ks. Rat und 1518 zur Nobilitierung („H. von Burgwalden“). Wirtschaftliche Macht, Ansehen und Einfluß halfen den H. 1517 im Streit mit dem Teilhaber und Faktor Barth. Rehm, der sie wegen Übervorteilung bei der Gewinnberechnung anklagte. Der Prozeß vor dem Reichskammergericht zog sich über Jahre hin. Als Rehm sich schließlich selbst sein Recht zu nehmen suchte, indem er Kaufmannsgüter der Gesellschaft an sich brachte, war der Streit endgültig zugunsten der H. entschieden. Rehm starb 1524 in A.er Haft. Dennoch schadete der Streit, der die allg. Kritik an den mächtigen Handelsgesellschaften und Monopolen verschärfte, den H. erheblich. 1523 wurde gegen sie, wie gegen andere Handelshäuser, vom Reichsfiskal Monopolklage erhoben. Trotzdem gelang es den H., ihr Wirtschaftsimperium zu erweitern. 1525 schlossen sie mit Kg. Ferdinand einen Monopolvertrag über die Idrianer Gewerke. Der Plan, auch die spanischen Quecksilbergruben in Almaden in Verbindung mit ks. Anleihen zur Besoldung des Heeres an sich zu bringen, scheiterte allerdings und führte zu einer negativen Geschäftsentwicklung, an deren Ende der Bankrott von 1529 stand. Obwohl die Fugger zunächst den H. finanzielle Unterstützung zukommen ließen, scheinen sie doch letztlich den Konkurs ihrer Konkurrenten vorangetrieben zu haben. Als die H. 1529 begannen, heimlich Wertgegenstände aus A. zu entfernen, wurden Ambrosius (I), Ambrosius (II) und Joseph auf Betreiben der Gläubiger als Hauptgesellschafter in Schuldhaft genommen, der ein langwieriger Prozeß über die Verteilung der Konkursmasse folgte. Joachim (I) und Baumgartner gelang die Flucht. Der Konkursprozeß ging trotz Interventionen Erzherzog Ferdinands und Herzog Wilhelms von Bayern verloren. Ambrosius (I), Gegner der Reformation und Erbauer von Schloß und Kirche in Burgwalden, starb 1534 im Schuldturm bei Hl.-Kreuz, Ambrosius (II) und Joseph wurden erst 1544 nach kaiserlicher Intervention entlassen.

Ambrosius (II)

lebte nach Entlassung aus der Schuldhaft zurückgezogen in Burgwalden, das seine Frau Katharina Neumann nach einem Prozeß gegen die H.-Gläubiger zugesprochen bekommen hatte. Joachim (I), Leiter der Antwerpener Faktorei, heiratete 1522 Anna, Tochter des Eitelhans Langenmantel. Er erwirkte als erster dt. Kaufmann einen Zehnjahresvertrag mit umfangreichen Privilegien für den Getreide- und Tuchhandel mit England. Die Ernennung zum „Principal Surveyor and Master of the Mines Royal“ in England, Wales und Irland durch Heinrich VIII. (1528) ermöglichte ihm den Einstieg ins englische Montangewerbe, er mußte aber die Projekte trotz erfolgreicher Probebohrungen wegen des drohenden Bankrotts der H.-Gesellschaft aufgeben. Nach dem Bankrott 1529 Flucht in die Niederlande, wo er in die Dienste Kg. Christians II. von Dänemark trat. Sein Sohn Daniel (I, * 1525, † 12.5.1581 Keswick/England) war nach kaufmännischer Ausbildung in der großmütterlichen Wieland-Gesellschaft ab 1541 deren Faktor und Bergwerksaufseher in Gastein und Rauris, die er nach dem Rückzug der Wieland aus dem Bergbau selbständig weiterführte; seit ca. 1556 Gewerke in Obervellach/Kärnten. 1564 im Auftrag Königin Elisabeths I. Probeschürfungen in England und Wales; Patentbrief zur Errichtung von Kupferbergwerken im Lake District; im Auftrag der Haug & Langnauer Aufbau und Leitung der Bergwerke und 1568 Gründung der „Society of Mines Royal“, der ersten industriellen AG Englands, an der die A.er Gesellschaft 45 % der Anteile besaß. Betrieb, unterstützt von Kärntner und Tiroler Bergleuten sowie süddt. Kupferschmieden, mehrere Minen, eine Schmelzhütte und ein Hammerwerk um Keswick. 1572 Verkauf seines A.er Besitzes und Übersiedlung nach Keswick, wo er die Bergwerke in Eigenverantwortung weiterführte. Nach seinem Tod übernahmen seine Söhne das Unternehmen, das bis zum Anfang des 17. Jh.s bestand. Spätere Nachkommen waren als Überseekaufleute tätig, ein Urenkel wurde von Kg. Georg I. zum Ritter geschlagen, ein weiterer war Lord Mayor von London. Daniels Bruder Joachim (II, * 21.8.1523, † 4.10.1597) war seit 1580 Inhaber des Rappenbad-Lehens (Beim Rabenbad). Kaufmännische Ausbildung in den Niederlanden, in Frankreich und Italien wohl in den Gesellschaften von Onkel Georg (I), dessen Sohn Sigmund (* 1486, † 1552) und den Schwiegersöhnen Markus Ulstett und Narciß Lauginger. 1572 gemeinsam mit den Ulstett und Stammler Übernahme von Anteilen der „Society of Mines Royal“ von der Gesellschaft Haug & Langnauer und Gründung der Handelsgesellschaft Joachim H., Philipp König und Mitverwandte (ab 1581 „Joachim H. und Friedrich Rentz“), die Niederlassungen in Leipzig, Antwerpen, Venedig, Lyon und Marseille unterhielt. Enge Kontakte im Seiden- und Safranhandel mit den Manlich und Zangmeister führten durch deren Bankrott 1586 zum Zusammenbruch der Firma. Letzter Kaufmann der H. in A. war Joachims Enkel Johann Matthäus (* 1607, † 1662). Philipp (II, * 17.11.1579, † 19.11.1635), Sohn Joachims (II) und „Physicus primarius“ in A., war 1597 Stipendiat bei St. Anna. Studium in Basel (1600-1603) und Padua (1603-1604). Promotion. 1607 Salzfertiger-Gerechtigkeit, Sodalitus in der A.er Patrizier-Kammer. Arzt im Kloster St. Katharina, im Pilger- und im Waisenhaus, 1626-1629 Arzt der Fugger. Autor medizinischer Schriften und eines Tagebuchs mit Aufzeichnungen über die Besetzung A.s durch die Schweden. Seine Nachkommen wurden Ärzte und Apotheker in Nördlingen, Weißenburg und Rothenburg.