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Veröffentlichungen

Abhandlungen zur Geschichte der Stadt Augsburg

Band 35

Die Manlich

Gerhard Seibold

Augsburg war seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts neben Nürnberg die maßgebende Wirtschaftsmetropole Oberdeutschlands.

Dieser Zeitraum ist in etwa deckungsgleich mit der Existenz des Handelshauses der Augsburger Kaufmannsfamilie Manlich. Insoweit sind die Lebensschicksale der maßgeblichen Akteure aus dieser Familie Spiegelbild einer Wirtschaftsepoche und Ausdruck des Selbstverständnisses einer Personengruppe, welche an maßgeblicher Stelle die Entwicklung dieser Städte zu bedeutenden Wirtschaftszentren innerhalb Europas mitbewirkt hat.

Zunächst waren die Aktivitäten des Handelshauses begrenzt. In der Person des Simon Manlich verfügte die Familie zu Ende des 15. Jahrhunderts über eine erste bedeutende Unternehmer-Persönlichkeit, welcher es gelang, im aufstrebenden Montanmarkt Fuß zu fassen. Dieser Wirtschaftsbereich war auch für zahlreiche konkurrierende Handelshäuser Ausgangspunkt für weiterreichende Initiativen, das heißt Erweiterung der Einflußsphäre unter geographischem Blickwinkel, Beschäftigung mit zusätzlichen Produkten und Dienstleistungen oder auch Zusammenfassung bisher getrennter Produktions- und/oder Vermarktungsstufen. Mit dem Bergbau schicksalhaft verbunden war das Kreditgeschäft. Dies bewirkte, daß die Metallhändler für die Landesherren in Tirol, Oberungarn und in Sachsen von maßgeblicher Bedeutung wurden. Ein besonderer Glücksfall für die Familie Manlich war es, daß ihr in den Brüdern Matthias und Melchior Manlich zwei in gleicher Weise geniale Kaufleute erwuchsen, die beide auf ihren Gebieten, der eine im Bergbau, der andere im Überseehandel, ihren Unternehmen neue Wege wiesen. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts haben die Manlich mit ihren Geschäften den Zenit erreicht. Es folgten 70 Jahre allmählichen Niedergangs bis zur Bedeutungslosigkeit.

Ein derartiges Thema macht es auch erforderlich, sich nachhaltig mit verschiedenen Unternehmen zu beschäftigen, mit welchen die Manlich eng zusammengearbeitet haben. Die Inhaber dieser Häuser waren gleichzeitig meist auch verwandtschaftlich miteinander verbunden, was zeigt, welcher Stellenwert diesen Beziehungen in jener Zeit und in dieser Gesellschaftsschicht beigemessen wurde. Am Beispiel der Firmen Baumgartner, Bimmel, Haug, Katzbeck, Langnauer und Linck wird dies überdeutlich.

Unternehmensgeschichte war in dieser Zeit vor allem auch Personengeschichte. Insoweit war der Verfasser bemüht, die maßgeblichen Familienmitglieder in all ihrer menschlichen Vielschichtigkeit zu charakterisieren, im Kreise ihrer Verwandten, als Kaufleute, Lokalpolitiker, Besitzer von umfangreichen Ländereien, Kunstliebhaber usw. Diese Beschreibungen gewinnen an Farbigkeit, weil sei eingebettet sind in das Zeitgeschehen nicht nur Augsburgs sondern ganz Mitteleuropas. Daß in diese Untersuchungen auch der Schweizer Zweig der Manlich mit einbezogen wurde, unterstreicht augenfällig die europäische Dimension dieser Familie.

Wesentliche Grundlage für die Arbeit war das Schriftgut zahlreicher öffentlicher und privater Archive Europas. Überall dort wo die Manlich mit Firmenniederlassungen vertreten waren, haben sie zumeist auch Spuren im erhalten gebliebenen Quellenmaterial hinterlassen. Der hieraus entwickelte Text wird vom Verfasser durch diverse Tabellen, umfangreiches Bildmaterial und genealogische Tafelwerke weiter verdeutlicht.

erschienen 1995

Band 35 - Die Manlich
Band 35 - Die Manlich

Preis: 35,00 €