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05.12.2009 - Das Stadtarchiv packt ein

Augsburger Allgemeine vom 5. Dezember 2009 - von Alois Knoller

Historiker müssen sich beeilen: Nur noch bis 23. Dezember stehen die einzigartigen reichsstädtischen Bestände des Augsburger Stadtarchivs für die Forschung zur Verfügung. Danach werden die Akten, Amtsbücher und Urkunden weggepackt, in die AKS-Hallen ins Textilviertel verlagert und der Schädlingsbehandlung mit Stickstoff unterzogen, damit der Brotkäfer nicht länger an den wertvollen Archivalien frisst. „Frühestens im September 2010“ werden die Quellen dann wieder zugänglich sein, kalkuliert Archivdirektor Michael Cramer-Fürtig.

Er ist heilfroh, dass endlich etwas passiert. Durch Kühlung der Magazine wurde seit Entdeckung des Käferbefalls im Juni versucht, die Reife der im Sommer gelegten Larven zu verzögern. Bei Wärme schlüpfen sie in 75 Tagen, gekühlt kann das bis zu 240 Tage dauern. „Wir müssen spätestens im März 2010 mit der Stickstoffbehandlung beginnen“, erklärt Cramer-Fürtig. Das sei eine absolut sichere Methode, um die gefräßigen Brotkäfer dauerhaft abzutöten.

Wegen der Nachbarschaft zum Stadtmarkt, wo Lebensmittel verkauft werden, kann die Begasung nicht im Stammhaus an der Fuggerstraße stattfinden. Aus demselben Grund werden die gefährdeten Archivalien allerdings nie mehr dorthin zurückkehren. Denn sehr wahrscheinlich flogen die Brotkäfer, die in Getreide, Brot und Hülsenfrüchten gedeihen, vom Stadtmarkt ins Stadtarchiv zu.

Aber auch in den AKS-Hallen landen die reichsstädtischen Archivalien zunächst im Provisorium. Denn dem Stadtarchiv wird überall der Platz zu knapp. „Wir sind nur bis zum Jahr 2012 handlungsfähig“, warnt Direktor Cramer-Fürtig. Die Kapazität der Außenstelle Imhofstraße beim Hotelturm ist in wenigen Jahren erschöpft und im Hauptgebäude müssen dringend die Akten aus den feuchten Kellerräumen geborgen werden.

„Der Stadtrat muss unbedingt im Jahr 2010 Planungsmittel für die dauerhafte Unterbringung des Archivs in der AKS bereitstellen“, verlangt Cramer-Fürtig. Die Böden dort müssen verstärkt werden, ein hohes Maß an Brandschutz ist erforderlich und eine Klimatisierung.

Immerhin nützt die Archivleiter die Auslagerung seiner kostbarsten Überlieferung dazu, „die teilweise seit vielen Jahrzehnten unerschlossenen Bestände zu sortieren und zu registrieren“. 2308 Regalmeter sind in Kartons zu packen. Das bindet natürlich Fachkräfte, sodass der Service im Lesesaal, der kurz vor Ablauf der Frist oft überfüllt ist und schon am Vormittag für weitere Besucher gesperrt werden muss, leidet. Erstmals wird das Stadtarchiv heuer von Heiligabend bis Dreikönig (24. Dezember bis 6. Januar) geschlossen.

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